Worum geht es?
Kunsttherapeuten und -therapeutinnen setzen künstlerische Betätigungen wie Malen, Plastizieren und Theaterspiel als Mittel ein, um die körperliche und geistige Gesundheit von Patienten wiederherzustellen, zu erhalten oder zu fördern.
Verschiedene Ausrichtungen der Kunsttherapie
Kunsttherapie steht in enger Wechselwirkung zu anderen Wissenschaftsbereichen, insbesondere der Medizin, den Gesellschaftswissenschaften, der Psychologie, der Musikwissenschaft und der Pädagogik. Es gibt unterschiedliche kunsttherapeutische Konzeptionen, die unterschiedlichen psychologischen und therapeutischen Methoden und Ansätzen folgen.
Auf die Drama- und Sprachtherapie spezialisierte Therapeuten und Therapeutinnen arbeiten z.B. mit Laut-, Stimm- und Sprechübungen, Rollenspielen, theatralischen Darstellungen von Märchen, Gedichten und Liedern. In der Gestaltungs- und Maltherapie animieren Kunsttherapeuten und -therapeutinnen Menschen zum bildnerischen Gestalten und zur Auseinandersetzung mit dem verwendeten Material. In der intermedialen Therapie setzen sie alle künstlerischen Medien ein, vom bildnerischen Gestalten über Poesie bis hin zu Theater und neuen Medien.
Individuelle Therapiepläne und Maßnahmen
Kunsttherapeuten und -therapeutinnen behandeln in psychotherapeutischem oder klinischem Zusammenhang psychotische, neurotische, psychosomatische und depressive Störungen oder arbeiten im Rahmen der Heil- und Sonderpädagogik mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen oder jungen Menschen mit Behinderung. Sie bieten ihren Klienten zusätzlich zum therapeutischen Gespräch die Möglichkeit des gestalterischen Ausdrucks, um bestimmte Behandlungsziele zu erreichen.
Für jede Indikation und Diagnose wählen sie die jeweils angemessenen kunsttherapeutischen Methoden und Techniken aus oder entwickeln sie. Sie prüfen die Indikation und erheben kunsttherapeutische Befunde bzw. stellen kunsttherapeutische Diagnosen. Daraus ziehen sie Schlüsse für die Therapieplanung und leiten die theoretische Begründung für das jeweilige kunsttherapeutische Vorgehen ab. Schließlich müssen kunsttherapeutische Intentionen und Interventionen nachvollziehbar und transparent sein. Deshalb gehört auch die sorgfältige Dokumentation von Therapieverläufen dazu.
Berufliche Einsatzmöglichkeiten
Kunsttherapie ist in allen klinischen Bereichen anwendbar, in denen eine psychische Beeinflussung von Leidenszuständen oder eine Verbesserung der aktuellen Lebensqualität zu erwarten ist. Sie findet sich in therapeutischen, präventiven, rehabilitativen und palliativen Bereichen des Gesundheitswesens, z.B. in Einrichtungen der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie oder in Alten- oder Altenpflegeheimen. Für Führungspositionen wird häufig ein Masterstudium vorausgesetzt.
Wie die meisten anderen Therapieformen im Umfeld der Psychotherapie auch, ist die Kunsttherapie in ständiger Entwicklung begriffen. Laufende Weiterbildung und Information über den aktuellen Stand der kunsttherapeutischen Forschung ist deshalb für Kunsttherapeuten und -therapeutinnen ein Muss. Wenn sie selbst in der Lehre tätig sind, führen sie verschiedene Lehrveranstaltungen auf dem Gebiet der Kunsttherapie durch. Die Palette reicht von der kunsttherapeutischen Selbsterfahrung und der bildnerischen und gestalterischen Tätigkeit über Diagnostik, Methodenlehre bis zu kunsttherapeutischer Einzelarbeit und Supervision.
Für eigenständige wissenschaftliche Tätigkeiten sind i.d.R. ein Masterstudium und eine Promotion erforderlich.